„ich sitz‘ vorn, Shotgun!“
„Alter läuft nicht, Cumshot“
„Ich kenn die Route am besten, also vergesst mal eure Kindergartensprüche“
Es war die übliche Diskussion von Clemens, Marten und Tom über das Vornsitzen im Van, das für gewöhnlich der Fahrer entschied. Doch der war gerade noch auf der absolut schäbigen Rastplatztoilette und so konnten sich die Zankhähne noch ungestört streiten. Es war mittlerweile Abend geworden und nur das flackernde Diner-Schild brachte noch ein wenig Licht in die öde Umgebung. Clemens wollte gerade mit seinem Totschlagargument aufwarten, dass er der älteste sei, da drehte sich ein alter Mann mit schwarzem Hut, dunklem Trenchcoat und Sonnenbrille von seinem Tisch zu ihnen um.
„Darf ich euch die Wartezeit auf euren Freund mit einem kleinen Rätsel verkürzen?“ , frage der bärtige Mann, der bereits viele Falten trug.
Verdutzt schauten sich die drei Streitsüchtigen an.
„Na klar, immer raus damit!“, gab Clemens zurück.
Der geheimnisvolle Alte kramte ein wenig in seiner schäbigen Tasche und holte etwas heraus, was er geschickt mit einem schwarzen Tuch verhüllte, so schnell, dass keines der sechs Augen erkennen konnte, was es war.
„Ich habe hier das Bild eines Menschen. Dieser Mensch ist nicht sonderlich schön, aber er selbst findet sich so schön, dass er es angemessen fände, ein hübsche Frau zu finden. Er will möglichst ohne viel Mühe reich werden. Auch wenn er es nie zugeben würde, wäre ihm sein eigenes Wohl doch am nächsten, er würde sich auch über die Meinung seiner besten Freunde hinwegsetzen, nur damit er bekommt, was er will. Er ist gierig und auch wenn er vorgibt, dass ihm die armen Menschen der dritten Welt leid täten, schadet er diesen mit seinem Handeln direkt. Nun was denkt ihr, von wem ist die Rede?“
Nach längerem Zögern bricht Marten die Stille:
„Egoistisch und gierig, huh? Sicher ein Politiker! Ich sag George Bush.“
Clemens widerspricht:
„Nein Mann, geh zum Ohrenarzt. Er hat klipp und klar gesagt, dass er den Afrikanern schadet. Er ist aufs pure Geld aus und will andre nur ausbeuten. Das klingt doch mal verdammt nach ´nem Geschäftsmann. Irgend so´n Konzernfuzzi. Ich tipp auf den BP-Chef.“
„Ich habt doch keine Ahnung, Jungs. Ihr seid doch auch in dem SocialNetwork-Film gewesen. Der Typ da passt doch perfekt auf die Beschreibung, knallhart hat er seine Freunde reingelegt, hat sich schnell viel Kohle angescheffelt, der muss das einfach sein. Also, nun raus mit der Sprache, wer is´ der Schuft, der das alles macht?“
Der alte Mann schmunzelt, was seine Falten zu einem interessanten Muster verzieht. Mit einem Ruck reißt er das schwarze Tuch empor.
„Nosce te ipsum!“
Unter dem Tuch enthüllt sich ein kleiner, rechteckiger Spiegel.
