So liebe Leser, diesmal keine Gutenachtgeschichte, sondern wieder was für die Kategorie “traurige Alltagsgeschichten”. Anlass hierfür ist der Besuch in der “Expedition Zukunft” gewesen, ein 14-Waggon-langer Zug. Anschauen kann man ihn sich hier mal in 3D http://www.expedition-zukunft.org/blatt/d_wz_microsite.
An und für sich eine gute Idee: Eine fahrbare Ausstellung, die den wissensgierigen Bürgern die Wissenschaft auf interessante Art und Weise und obendrein noch kostenlos näherbringt. Nur die Umsetzung war etwas dürftig…
Zunächst ist man von dem guten Design überrascht. Schnell stellt man aber auch fest, dass scheinbar 90% der Ausgaben auch dafür draufgingen. Auf wirklich interessant wirkenden, schön designten Hintergründen finden sich nämlich Tafeln mit Aufdrücken, die alles andere als den Wissenshunger sättigen. Auf jeder Tafel wird zwar ein neuer Forschungsbereich angesprochen, was von Nano- über Krebs- bis hin zu Weltraumforschung reicht, allerdings werden die Bereiche überall nur angerissen. Viel zu oft ist es auch so, dass die Tafel mit der Frage endet, von der man sich erhofft hatte, dass sie durch das Lesen der Tafel beantwortet wird (“Wird die Medizin irgendwann Krebs heilen können?”).
Untermalt wird das ganze von…nun….Geräuschen. Ist das Muhen im Landwirtschaftswaggon noch recht unterhaltsam, so geht einem das Geblubber und Gepiepse im Weltraumteil schon ordentlich auf die Nerven. Schön, die Lautstärke ist zwar nicht extrem hoch, doch wenn ich ein Schild lesen will, das direkt neben dem Lautsprecher aufgebaut ist, so geht einem das monotone Gefiepe schon auf die Nerven. Naja, halb so schlimm: auf dem Schild stand eh nur halbwissenschaftliches Blabla wie nahezu überall. Wurde dann mal etwas interessantes angesprochen (Quantencomputer, oho!), so ist es aber nie ganz ausgeführt worden (“Quantencomputer arbeiten nicht mit 0 oder I sondern mit beidem!” – Aha, aber wie funktioniert das?).
Überall liesen sich Monitore mit schönen Hörmuscheln finden, auf denen interessant wirkende Filme zu sehen waren. Allerdings bestanden die Filme nur aus den Übergängen, die sie bei einer namhaften Wissenschaftssendung auf Pro7 verwenden und aus den Hörmuscheln kamen nicht Erläuterungen, wie man ‘s erwarten würde, nein: Es kam einfach noch nervigeres Gedudel als aus den Waggonlautsprechern.
Neben einigen wirklich interessanten Ausstellungsstücken (neuartige LEDs, Laserstreuoberflächen) waren einige der Exponate einfach und schlicht “out of order” (Piezo-Element…). Schön, dass die Besucher in der ersten Stadt noch alles mitbekommen, aber da sich die Veranstalter scheinbar keine Mühe geben, die Exponate zu reparieren, werden in der letzten Stadt wohl nur noch die bereits erwähnten Lautsprecher funktionieren.
Auf ein Ausstellungsstück will ich noch genauer eingehen: Eine Gesichtserkennungssoftware vom Fraunhofer Institut. Auf einem Monitor war das Bild einer Kamera zu sehen, die einen selbst gefilmt hat. Neben seinem Bild sah man dann die Ausschläge für Emotionen. Nahm man seine Mundwinkel nach oben, stieg der Balken für “Happiness”, nahm man sie nach unten, so stieg der Balken für “Sadness”. Richtig frustriend war nur, dass mich der Computer auf Grund meines Kopfes als “female” eingestuft hat. Da macht man sich schon Gedanken, ob man nicht doch vielleicht den Friseur wechseln sollte.
Allen Interessierten kann ich eich davon abraten. Wer sichs trotzdem antun will: morgen hält er noch in Ulm, dann zieht er weiter nach Konstanz. Ich rate euch: Nehmt Oropax mit