Wissenschaft(?)szug Ulm

26 07 2009

So liebe Leser, diesmal keine Gutenachtgeschichte, sondern wieder was für die Kategorie “traurige Alltagsgeschichten”. Anlass hierfür ist der Besuch in der “Expedition Zukunft” gewesen, ein 14-Waggon-langer Zug. Anschauen kann man ihn sich hier mal in 3D http://www.expedition-zukunft.org/blatt/d_wz_microsite.

An und für sich eine gute Idee: Eine fahrbare Ausstellung, die den wissensgierigen Bürgern die Wissenschaft auf interessante Art und Weise und obendrein noch kostenlos näherbringt. Nur die Umsetzung war etwas dürftig…

Zunächst ist man von dem guten Design überrascht. Schnell stellt man aber auch fest, dass scheinbar 90% der Ausgaben auch dafür draufgingen. Auf wirklich interessant wirkenden, schön designten Hintergründen finden sich nämlich Tafeln mit Aufdrücken, die alles andere als den Wissenshunger sättigen. Auf jeder Tafel wird zwar ein neuer Forschungsbereich angesprochen, was von Nano- über Krebs- bis hin zu Weltraumforschung reicht, allerdings werden die Bereiche überall nur angerissen. Viel zu oft ist es auch so, dass die Tafel mit der Frage endet, von der man sich erhofft hatte, dass sie durch das Lesen der Tafel beantwortet wird (“Wird die Medizin irgendwann Krebs heilen können?”).

Untermalt wird das ganze von…nun….Geräuschen. Ist das Muhen im Landwirtschaftswaggon noch recht unterhaltsam, so geht einem das Geblubber und Gepiepse im Weltraumteil schon ordentlich auf die Nerven. Schön, die Lautstärke ist zwar nicht extrem hoch, doch wenn ich ein Schild lesen will, das direkt neben dem Lautsprecher aufgebaut ist, so geht einem das monotone Gefiepe schon auf die Nerven. Naja, halb so schlimm: auf dem Schild stand eh nur halbwissenschaftliches Blabla wie nahezu überall. Wurde dann mal etwas interessantes angesprochen (Quantencomputer, oho!), so ist es aber nie ganz ausgeführt worden (“Quantencomputer arbeiten nicht mit 0 oder I sondern mit beidem!” – Aha, aber wie funktioniert das?).

Überall liesen sich Monitore mit schönen Hörmuscheln finden, auf denen interessant wirkende Filme zu sehen waren. Allerdings bestanden die Filme nur aus den Übergängen, die sie bei einer namhaften Wissenschaftssendung auf Pro7 verwenden und aus den Hörmuscheln kamen nicht Erläuterungen, wie man ‘s erwarten würde, nein: Es kam einfach noch nervigeres Gedudel als aus den Waggonlautsprechern.

Neben einigen wirklich interessanten Ausstellungsstücken (neuartige LEDs, Laserstreuoberflächen) waren einige der Exponate einfach und schlicht “out of order” (Piezo-Element…). Schön, dass die Besucher in der ersten Stadt noch alles mitbekommen, aber da sich die Veranstalter scheinbar keine Mühe geben, die Exponate zu reparieren, werden in der letzten Stadt wohl nur noch die bereits erwähnten Lautsprecher funktionieren.

Auf ein Ausstellungsstück will ich noch genauer eingehen: Eine Gesichtserkennungssoftware vom Fraunhofer Institut. Auf einem Monitor war das Bild einer Kamera zu sehen, die einen selbst gefilmt hat. Neben seinem Bild sah man dann die Ausschläge für Emotionen. Nahm man seine Mundwinkel nach oben, stieg der Balken für “Happiness”, nahm man sie nach unten, so stieg der Balken für “Sadness”. Richtig frustriend war nur, dass mich der Computer auf Grund meines Kopfes als “female” eingestuft hat. Da macht man sich schon Gedanken, ob man nicht doch vielleicht den Friseur wechseln sollte.

Allen Interessierten kann ich eich davon abraten. Wer sichs trotzdem antun will: morgen hält er noch in Ulm, dann zieht er weiter nach Konstanz. Ich rate euch: Nehmt Oropax mit :D





Familiengeschichten…

15 02 2009

Hach, Familientreffen sind immer wieder schön. Auch wenn sie mir ein wenig verhasst sind, ab und an müssen sie eben sein, so wie an dem 75. Geburtstag der gemeinsamen Oma. Wenigstens weiß ich jetzt, von welcher Familienseite ich meine sporadisch auftretende Dummheit und Unhöflichkeit habe.

Nach dem Überreichen der obligatorischen Orchidee, die sie jedes Jahr zum Geburtstag bekommt, gehts ab zum Italiener, kein schicker, aber doch keine Absteige. Am Tisch sitzen nun also Oma, Vater, Schwester, Onkel mit Frau und meine Cousins. Ach und die Schwiegermutter meines Onkels, die sich wie immer selbst eingeladen hatte. Von dieser durfte ich mir erstmal anhören, dass ich wie ein Mädchen aussehe und nein, die Aussage war nicht in schöne Worte gekleidet.

Vorspeise, Salat, zumindest auf Seiten meines entfernteren Familienteils. Kein billiger, ein recht großer Teller. Der war dann aber doch so groß, dass sie ihn sich geteilt haben. Da gäbe es an sich ja nichts zu kritisieren, wenn sie danach nicht den Kellner angepflaumt hätten, dass der Salatteller (der ihnen ja alleine zu groß war) viel zu mickrig ausfallen würde.

Hauptgang: Wiener Schnitzel mit Pommes bei Oma (ach, hatte ich erwähnt, dass wir bei einem Italiener waren?), Pizza bei mir. Einer der Höhepunkte des Gesprächs ist so debil, der muss einfach zitiert werden: “Roll doch die Pizza â la Calzone, wie beim Türken“. Hatte ich schon erwähnt, dass wir beim Italiener waren? Weniger dumm, sondern schon fast traurig war eine Bemerkung meiner Stieftante: “Schau Oma, das letzte Mal, als wir hier waren, hat Opa auch Wiener Schnitzel gegessen”. Ach, ich vergaß wohl zu erwähnen, mein Opa ist vor Kurzem gestorben, was meine Oma ziemlich mitgenommen hat.

Nachtisch wird auch nur auf Seiten der entfernteren Verwandtschaft bestellt, von meinen Übergewichtigen Cousins, von denen einer lactoseintolerant ist und der andere Diabetis hat (sie sind knapp über 16). Vanilleeis, enthält zum Glück ja weder Lactose noch Zucker. Sie reden mit mir darüber, dass sie nie so doof wären, Geld für Musik auszugeben, die könne man sich ja laden. Aber die Videos, für ihren Mp4 Player, die ja so “affengeil” sind, die sind es natürlich wert, dass man dafür das Doppelte des Preises eines normalen Songs berappt.

Wo wir gerade bei Bezahlen sind: die Rechnung von mehr als 130 Euro durfte natürlich das Geburtstagskind zahlen, das nicht mal ein ganzes Schnitzel gegessen hatte.

Schließlich sind wir noch zum Kaffee zu meiner Oma gefahren, wir mit unsrem Kleinwagen, die anderen mit ihrem spritsparenden und für die unwegsamen, deutschen Straßen unbedingt nötigen Geländewagen. Statt Kaffee wollten die anderen lieber Cola. Aber natürlich nicht das aus der fast vollen Flasche, das hatte ja Zimmertemperatur. Natürlich haben sie dafür lieber eine Flasche aus der Speisekammer aufgemacht, die fünf Grad kälter war. Dumm nur, dass meine Oma kein Cola trinkt. Also werden wohl zwei Flaschen, die bis zum nächsten mal sowieso lack sind, wohl im Abguss verschwinden. Übrigens war ein Stuhl zu wenig. Ratet mal, wer stehen durfte.

Als sich meine Cousins und ihr Vater wegen einer kleinen Meinungsverschiedenheit  ihre Schultern  malträtiert haben, als wir noch am Kaffeetisch saßen, habe ich endgültig bezweifelt, mit ihnen verwandt zu sein. Hoffen wir mal, dass die heutige Gentechnik falsch liegt und doch nicht alles von unseren Genen bestimmt wird, denn wenn ich mal so werden würde wie meine werte Familie, könnt ihr mich getrost erschiessen.





De Arte Scholae…

1 02 2009

…oder Über die Schulkunst zu deutsch.

Kunst kann so vielfältig sein. Kunst verschafft uns die Möglichkeit, groß rauszukommen, ob als Maler, Autor oder Popstar (bei letzterem muss man dafür sogar nicht mal Talent haben). Mit Kunst lassen sich Missstände besser und subtiler anprangern, als es jede sachliche Arbeit zu erreichen vermag. Kunsthat die Kraft uns in Gefühlszustände versetzen, von der so mancher Politiker nur träumen kann (So ziehen sich mehr Leute für die Kunst aus (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,412638,00.html) als so manche Partei an Stimmen bekommt).

Aber vor allem: Kunst ist Freiheit (ich verbitte mir hierbei nationalsozialistische Unterstellungen :)

Kunst kennt keine Schranken, keine Grenzen. Außer natürlich in der Schule. Warum zwingt man Menschen, die im Zeichnen überhaupt nicht begabt sind zu einem Selbstportrait? Um sie bloßzustellen? Um ihr Selbstwertgefühl zu vernichten, weil die Schüler am Ende noch denken, das krakelige Bild sei ihr Erscheinungsbild? Und warum zwingt man dann keine gelernten Köche dazu, eine Telefonleitung zu verlegen?

Allein schon die Tatsache, für Kunstwerke Notenpunkte zu verteilen, ist paradox. Jeder, der schon mal von dem Wort “Kunst” gehört hat, weiß, dass es im Großen und Ganzen Geschmackssache ist. De gustibus non est disputandum! Wie kann sich ein (natürlich vom Staat dazu ausgebildeter) Lehrer herausnehmen, einzelne Werke besser als andere zu bewerten, nur weil sie seine Augen als schöner erachten? Die Argumentation “Der Schüler hat eben die Aufgabe besser bewältigt” ist hinfällig, weil Kunst stark talentabhängig ist und man dieses Talent (entgegen von Mathe) kaum erlernen kann.

Aber zum Glück hat man ja noch die Wahl zwischen Kunst und Musik. Schon super, dass man in einem freiheitlich-demokratischen Staat die Wahl zwischen Pest und Cholera hat.








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